Die Tatsache, dass es viel zu wenig Menschen gibt, die etwas für andere Menschen tun, ist kein Argument gegen die andere Tatsache, dass es noch viel weniger Menschen gibt, die in irgendeiner Weise das Bedürfnis verspüren, etwas für die Tiere zu tun.

Götz von Lanheim

hydrant

„Ihr Hund ist dominant! Sie müssen unbedingt die Rangordnung wiederherstellen und ihm zeigen, wer der Rudelführer ist!"

.... so oder ähnlich hören es unzählige Hundebesitzer, wenn sie Hilfe bei Hundeschulen oder Hundetrainern suchen.

Es ist traurig, dass Hundetrainer, Tierschützer etc. einen Hund immer sofort als „dominant" abstempeln, sobald man die Ursache für ein Verhalten nicht findet (oder auch gar nicht sucht).

Was ist überhaupt „dominant"? Die ursprüngliche Theorie zur Dominanz basiert auf der Hackordnung bei Hühnern, die man dann auf andere Tiere angewandt hat. Inzwischen wurde die Dominanztheorie immer wieder geändert und angepasst und sie ist und bleibt eine Theorie. Eine wissenschaftliche Studie zum Thema Dominanz zwischen Hunden und ihren Besitzern gibt es bisher nicht. Aber viele Hunde mussten und müssen unter der Dominanz- und Rangordnungstheorie viel erleiden.

Das verlockende an der Dominanztheorie und ihren "Rezepten" ist, dass man als verzweifelter Hundebesitzer schnelle Lösungen präsentiert bekommt, die man sofort in die Tat umsetzen kann. "Runter vom Sofa", "Essen als Letzter", "Als letzter zur Tür rein" - es gibt viele, gleich umsetzbare praktische Handhabungen, die dem Hundebesitzer weismachen, auf diese Art und Weise das Problem des Hundes in den Griff zu bekommen.
Was aber ist das Problem des Hundes? Ist es wirklich ein "Dominanzproblem" oder verbergen sich hinter Verhaltensauffälligkeiten doch eher vielschichtige und nicht immer klar erkennbare Ursachen?

Wenn man versucht, verschiedenste Verhaltensauffälligkeiten mit einer Dominanztheorie zu erklären, wird man dem komplexen Lebewesen "Hund" nicht gerecht. Der Hund pinkelt ins Haus à er ist dominant; der Hund knurrt seinen Besitzer an à er ist dominant; der Hund bellt andere Hunde an à er ist dominant; der Hund zieht an der Leine à er ist dominant; der Hund schnappt nach einem Menschen in der Familie à er ist dominant …da sagt einem doch irgendwann der gesunde Menschenverstand, dass es so einfach nun auch nicht wieder sein kann.

Jedes Verhalten hat eine oder mehrere Ursachen, die man ergründen muss. Das ist oft sehr mühsam und langwierig (wie eine homöopathische Behandlung) und braucht Zeit, Geduld und Kraft für immer wieder auch Rückschläge.
Einschlägige Tipps wie "der Hund muss auf der Stufe ganz nach unten auf seinen Platz verwiesen werden" nutzen im Endeffekt gar nichts, weil sie im Zweifelsfall dazu beitragen, dass der Hund sein Verhalten verschlimmert oder an einer anderen Stelle neue Verhaltens- oder Gesundheitsprobleme zeigt.
...und nicht zuletzt - Sie, Ihre Familie und Ihr Hund bilden gar kein Rudel! Ein Rudel kann sich immer nur unter Artgenossen bilden und Ihr Hund weiß sehr wohl, dass Sie kein Hund sind.....

Zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema gibt es einige gute Bücher wie z.B. „Die Dominanztheorie bei Hunden" von James O'Heare (kanadischer Psychologe und Tierwissenschaftler) „Dominanz - Tatsache oder fixe Idee" (von Barry Eaton) und „Das Alphasyndrom" von dem schwedischen Hundetrainer Anders Hallgren - alle erschienen im animal learn Verlag.
Copyright © 2018 Freunde auf 4 Pfoten. Alle Rechte vorbehalten.
"Individuelle Hundeschule und Hundetraining für den Raum Niederbayern, Landshut, Vilsbiburg."
Unterstützt durch Ostermaier IT-Consulting